Auf eine Tasse Kaffee mit Marc Storace

Der Mann, der das Café mitten in Basel betritt, ist nicht sehr gross, trägt eine Mütze, einen lässig gewickelten Schal und zwei auffällige Totenkopfringe. Sofort erkennt eine der Servicemitarbeiterinnen Marc Storace und bittet um ein gemeinsames Selfie. Storace, mittlerweile 74 Jahre alt, freut sich über die Aufmerksamkeit. «Es ist schön zu merken, dass man mich noch nicht vergessen hat», sagt er. Der sympathische Mann mit langen, zusammengebundenen und etwas angegrauten Haaren ist so etwas wie die Rockstimme der Schweiz, mit der Band Krokus hat er in den 80er Jahren Welterfolge gefeiert. Ist irgendwo ein Hit wie «Bedside Radio» zu hören, mit dem gleichzeitig hohen und charakteristisch rau gesungenen Refrain, kommen bei vielen fast schon heimatliche Gefühle auf.
Und Marc Storace, geboren in Malta und auf Umwegen über Grossbritannien in den 1970er Jahren in die Schweiz gekommen, ist immer noch mit seinen Krokus-Kollegen unterwegs. «Zehn Auftritte im Jahr machen wir noch, aber wir nehmen mittlerweile das Flugzeug statt den Tourbus, und statt Backstage-Partys zu feiern, gehen wir nach der Show ins Hotel», erzählt er. Storace ist gewissermassen der geborene Musiker, seinen ersten Auftritt hatte er als 14-Jähriger. Dabei wollte er gar nicht Sänger werden, sondern Bassist wie sein grosses Vorbild Paul McCartney. Die Beatles seien das Beste gewesen, was ihm passieren konnte, «bei den ‹Fab Four› habe ich alles über Harmonien gelernt».
Marc Storace spielte zwar Bass, «aber ab und zu, wenn der Sänger fehlte, durfte ich auch ans Mikrofon, weil ich schon früh ein ganzes Archiv von Songs im Kopf hatte». Er sei eigentlich ein scheuer Mensch, sagt Storace jetzt bei einer Tasse Kaffee und wirkt dabei tatsächlich so gar nicht wie die sprichwörtliche Rampensau, sondern vielmehr wie ein freundlicher, ruhiger Mann, der es «cool» findet, «eine gewisse Reife zu haben». Marc Storace gibt zu, dass sich mit der Lebenserfahrung auch die Atmosphäre auf der Bühne geändert habe: «Jeder weiss, was sein Job ist, wir sind viel netter zueinander und es gibt keine jugendlichen Egos mehr.»

Von der Ur-Formation von Krokus sind heute neben Marc Storace noch Bassist und Mastermind Chris von Rohr sowie Gitarrist Fernando von Arb dabei – laut Storace immer noch einer der besten auf seinem Gebiet. «Wir staunen immer wieder darüber, dass wir auch mit über siebzig immer noch diese Energie hinkriegen, und geniessen es, wenn die Bühne vibriert», sagt Storace über die neueren Erfahrungen bei Live-Auftritten.
Trotz seiner gewaltigen stimmlichen Präsenz gehörte Marc Storace nie zu den Front-männern mit raumfüllendem Ego. Nach dem Tod von ac/dc-Sänger Bon Scott im Jahr 1980 wurde der Malteser aus der Schweiz sogar angefragt, ob er sich eine Zukunft bei der australischen Band vorstellen könne, die heute noch Stadien füllt und Rock-Welthits wie «Highway to Hell» oder «T.N.T.» hervorgebracht hat. Storace sagte freundlich ab und hat die Entscheidung bis heute nie bereut. «Ich hatte den Erfolg von ac/dc gar nicht so mitbekommen und war in meiner eigenen Welt. Ausserdem wollte ich meiner Band gegenüber auch loyal bleiben», sagt er – ganz der Rock- Gentleman, der er ist.
Für seine besondere Gesangsmethode mit dem hohen Wiedererkennungswert hat Marc Storace eine eigene Technik, die unter anderem darin bestehe, bei gewissen Stellen «sehr viel Energie aus dem Bauch pressen zu können». Das trainiere er ganz gezielt, zudem achte er auf seine Fitness und gehe viel spazieren, sagt der Musiker. Einen Gesangslehrer hat Storace hingegen nie gebraucht. «Ich habe durch das Zuhören gelernt, und als Gefühlsmensch singe ich einfach mit dem Herzen.» Auch hier hat allerdings die Reife Fortschritte gebracht. Als junger Sänger habe er nicht immer gewusst, was er genau mache. «Heute weiss ich, wie ich dem Song dienen kann», so Storace. Und er verrät noch sein Geheimnis für ein gesundes Gesangsorgan: «Ich trinke Ingwer-Zitronengras-Tee von Sirocco mit Honig, das hilft meiner Stimme wirklich.» Und vor dem Auftritt gibt es einen Espresso mit Grappa. «Unser Antrieb war immer die Freiheit», erzählt Storace über die Motivation, Musiker zu werden. «Gegen das Establishment zu sein, war der Zeitgeist, und das gibt es immer noch – Rock ’n’Roll stirbt nie», sagt der Sänger mit einem feinen Lächeln zum Schluss.
Marc Storace trinkt am liebsten Espresso Classico von Sirocco.
Geschmacksvolle Espressomischung, vollmundig-süsslich am Gaumen, mit rundem, harmonischem Aroma.